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Neckarsteig

Auf dem Weg zum einer Wanderfreundin im Neckarkreis rast der ICE gerade an Wuppertal vorbei. Kurz kann ich einen Blick auf die Schienen der berühmten Schwebebahn werfen. Schon in Schwerte fuhr der erste Zug verspätet ein. "Das geht ja gut los!" dachte ich. Aber die paar Minuten sollten mich nicht stören. Jetzt, wo der 2. Zug, den ich in Hagen erreichen musste, auch nicht pünktlich war, nehme ich es schon fast persönlich. Ich hoffe, dass ich den Anschluss in Köln noch bekomme.

 

Heute reise ich 1. Klasse, denn das Angebot der Bahn kostet mich nur ein paar Euro mehr. Das zahle ich doch gerne für mehr Komfort. In meinem Abteil saßen zwei sehr nette Damen, mit denen ich mich gut über Dies und Das unterhalten habe. Eine der Damen informierte mich darüber, dass der Zug, den ich nun in Köln innerhalb von 4 Minuten erreichen sollte, 20 min. Verspätung haben würde. In Köln erleichtert das die Sache sehr, aber nun schwindet mein Puffer in Heidelberg! Ich lasse es einfach auf mich zukommen - wird schon werden :)

 

Nun teile ich mir mit einem schick gekleideten Herrn das Abteil, der sich entspannt zurück gelehnt hat. Zwischen Köln und Bonn gibt es einige Treibhäuser und weite bereits bestellte Felder, die meistenteils mit Folien überzogen sind. Ich nehme an, dass hier vorwiegend Spargel auf die Ernte oder Erdbeeren auf die Sonne warten. Die Sonne steht schon tief, es sieht so friedlich draußen aus. Ich freue mich schon auf die vielen Kilometer, die ich in den kommenden Tagen im Neckarsteig zu Fuß machen werde.

 

Jetzt ist es passiert: Ich bin gestrandet. Ich sitze in Heidelberg auf dem Hauptbahnhof fest. Voraussichtlich werde ich mein Ziel erst nach Mitternacht erreichen. Kurz vor Mannheim befand sich eine Person auf den Gleisen und der Zugführer leitete eine Notbremsung ein. Alle Gegenstände auf dem Tisch verrutschten und ich fühlte mich kurzzeitig wie in der Achterbahn. Die Zugbegleiterin erzählte mir später, als ich mich nach Reisealternativen erkundigte, dass sich die suizidgefährdete Person im letzten Moment noch umentschieden hat. So makaber es auch klingt, sie vermutet, dass er den nächsten Zug nimmt.

 

Um die Durchsage über die Anschlusszüge deutlich hören zu können, begab ich mich nach Mannheim in den Gang. Ein junger Mann stellte sich zu mir und fing gleich ein Gespräch an. Schließlich waren wir nun Leidensgenossen. An meinem "Dortmunder Platt" machte er fest, dass ich Touri bin und berichtete mir Wissenswertes über das Heidelberger Schloss und andere Sehenswürdigkeiten. Da meine Wanderfreundin und ich wahrscheinlich Morgen den ersten Wandertag in Heidelberg verbringen werden, bin ich nun doppelt gespannt.

 

Ich fragte vorsichtshalber den Zugführer, ob ich auch in den richtigen Wagon einsteige, denn der Zug wurde zwischendurch geteilt. Im Fahrradabteil nahm ich mit vielen anderen Platz, die den letzten Zug nahmen. Ein von Bier und Wodka betrunkenes Pärchen wirbelte das Abteil auf. Neben und gegenüber mir saßen insgesamt 5 weitere Männer, die sich mir als Flüchtlinge vorstellten. Wir haben uns über eine Stunde lang sehr gut unterhalten. Zwar wollen sie Deutsch lernen, aber vorerst ging die Verständigung besser auf Englisch. Ihnen war das betrunkene Pärchen sichtlich peinlich. Einer erzählte mir, dass er im Irak knapp einer Autobombe entkommen sei. Den Anblick der Opfer vergesse er nie.

 

Meine Freundin und ich fielen in die Koje, als es genau 01:00 h war. Das war wirklich ein langer Tag. Kurz hab ich noch mit zu Hause geschrieben, bin dann aber für die ganze Nacht in einen tiefen Schlaf gefallen. Jetzt mache ich mich fertig für den ersten Ausflug und dann geht es zum Frühstück. Um 09:00 Uhr fahren wir mit dem Zug nach Heidelberg, wo wir die Himmelsleiter erklimmen wollen. Das Wetter dazu ist perfekt.

 

Da viele Leute den Feiertag für Ausflüge nutzen, war der 9 Uhr-Zug schon rappelvoll. Der Zugführer musste mehrmals zum Mikrofon greifen, um mitzuteilen, dass der Zug nur mit geschlossenen Türen weiterfahren kann und die Passagiere den Einstieg frei machen sollen. Zum Glück hatten wir einen Sitzplatz - leider direkt am WC. Um die vorbeiziehende Landschaft zu bestaunen, hätte ich mich nach hinten verrenken müssen.

 

In Heidelberg haben wir schnell unseren Startpunkt ausfindig gemacht. Es galt, etwa 1600 Treppenstufen zum Königsstuhl zu erklimmen, die als Himmelsleiter bekannt sind. Treppensteigen ist für mich eine der anstrengendsten Übungen, daher war diese Idee schon im voraus eine Herausforderung der besonderen Art. Wir zogen mit nur kleinen Pausen stramm durch und hatten nach ca. 1 Stunde die Aussichtsplattform erreicht. Immer wieder wurden wir von Gleichgesinnten eingeholt, mit denen wir am Ende der Himmelsleiter den wunderschönen Ausblick über das Neckartal und unseren Erfolg kräftig gefeiert haben. Chacka!

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Nach einem sehr anstrengenden aber sehr schönen Wandertag ließ ich mich auf meine Bettdecke fallen, nachdem ich mir mit kaltem Wasser die müden Füße gewaschen hatte. Das tat sehr gut! So konnte ich mich einen Moment ausruhen, bevor es zum Abendessen ging. Meine Wanderfreundin hatte dafür gesorgt, dass zusätzlich ihre Familie, eine Freundin und ein Freund zur Wirtschaft kamen und so verbrachten wir den schönen Abend zu 9.

 

Am nächsten Morgen wurde ich gut erholt sehr früh wach. Nachdem ich einige Zeilen für meinen Wanderbericht geschrieben hatte, machte ich mich auf den Weg, um Brötchen für unser Frühstück und als Proviant zu besorgen. Schon der Morgen versprach einen wunderschönen Tag. Nach dem Frühstück ging es auf eine kleine Radtour. Es sollten etwa 50 km werden, die wir zurücklegen wollten. Unsere Strecke ging an Heilbronn vorbei Richtung Laufen, immer am Neckar entlang.

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Es rollte sich leicht und wir kamen gut voran. Hier und da gab es einen gestressten Sprinter, der sich wohl als Hobby-Rennradfahrer den Brückentag frei genommen hatte und tatsächlich glaubte, er wäre als Einziger auf diese Idee gekommen, doch im Großen und Ganzen gab es keine Zwischenfälle. Erst, als meine Freundin erwähnte, dass Bietigheim-Bissingen nicht mehr weit sei, fing die eigentliche Rallye an! Da ehemalige Nachbarn vor ein paar Jahren dorthin gezogen waren, schlug ich vor, sie mit einem Besuch zu überraschen.

 

Laut Navi hatten wir nun noch 20 km zu trampeln, bis wir ankommen würden. Durch eine Baustelle mussten wir einen Umweg machen - es fühlte sich an, als würde es nur noch bergauf gehen - wir haben uns kurzerhand verfahren... Unsere Ankunft verzögerte sich um etwa 45 Minuten, doch wir kamen an! Mein Nachbar, den wir vorher per Anruf informiert hatten, wartete schon an dem Café, an dem wir uns verabredet hatten. Es gab ein großes Hallo und je einen mit Herzchen verzierten Cappuccino.

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Es stellte sich heraus, dass der Nachbar ausgerechnet heute Geburtstag hatte. Trotzdem nahm er sich gerne für uns ein Stündchen Zeit und wir quatschten, was das Zeug hielt. Wir verabschiedeten uns rechtzeitig, um den Zug nach Hause nicht zu verpassen, doch wir hatten die Rechnung ohne die Bahn gemacht: Die Tür zum Fahrradwaggon klemmte und wir versuchten, durch die Menschenmassen, die ausgestiegen waren, den nächsten Waggon zu erreichen, als der Zug sich bereits wieder in Bewegung setzte und den Bahnhof verließ. Fassungslos blickten wir ihm nach.

 

Was nun? Schnell auf den Fahrplan geschaut und für den nächsten Zug entschieden. Hier klappte der Einstieg perfekt, aber die Zugbegleiterin hatte, kurz vor ihrem Feierabend, endgültig den Kaffee auf. Sie sagte uns, dass ca. 25 Prozent der Reisenden im falschen Zug sitzen würden und sie der Meinung ist, dass der Zug, auf den wir hätten springen müssen, uns gerade entgegen gekommen sei. "Sie sitzen im falschen Zug! Außerdem verstehe ich eh nicht, warum Radfahrer Zug fahren. Die wollen doch Radfahren?!" Ein Alptraum!!! Allerdings fand sich auch schnell eine Lösung. Wir fuhren mit diesem Zug so nah an zu Hause ran, wie es ging und radelten die restlichen 15 km kraftlos und mit Schmerzen heimwärts. Fazit des Tages: Die Deutsche Bahn ist flexibel und wir hatten an diesem Tag mehr als 80 km lang in die Pedale getreten.

 

Es ist ein Wunder, dass ich keinen Muskelkater in den Beinen habe. Dabei habe ich dieses Jahr zum ersten Mal eine längere Radtour gemacht. Heute Morgen gingen wir ohne Frühstück aus dem Haus und trafen uns mit einer gemeinsamen Freundin am Bahnhof, um nach Würzburg zu reisen. Die Hinfahrt war absolut easy! Bunt belegte Brötchen gab's im Zug. Würzburg ist wirklich eine Reise wert. Auf der Brücke wurde Allerlei angeboten und zwei von uns haben sich ein Mitbringsel ausgesucht. Die Dritte wurde im Geschäft fündig. Wir waren beim Start zum Gummienten-Rennen dabei und haben in einem tollen Biergarten direkt am Wasser zünftig Bayrische Brotzeit mit Radler und Holunderbier gehabt.

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Alles sah danach aus, als ob die Zugfahrt zurück reibungslos verlaufen würde. Aber dann schaltete sich der Zugführer per Mikro durch und sagte: "Zugbegleiter! Zur Info! Wir können die Fahrt nicht zügig fortsetzen, weil uns ein Güterzug vorausfährt!" Ich dachte nur: "Gut, dass der Zugführer da nicht hineingerasselt ist!" Das Mikro ging erneut an: "Zugbegleiter! Zur Info! Wir überholen den Güterzug nun auf der Gegenschiene!" Ich dachte nur: "Hoffentlich weiß das auch der Gegenverkehr!" Auch die beiden anderen Ladies hielten sprachlos die Luft an. Kurz vor dem nächsten Bahnhof wurden die Weichen gestellt und wir konnten erkennen, dass der Gegenzug im Bahnhof auf uns gewartet hatte :) So etwas hatte ich auch noch nie erlebt!!!

 

Abends haben wir noch einmal alle Kräfte mobilisiert und sind in die Ortschaft Bad Wimpfen gefahren. Für die Nacht hatten viele Anwohner Kerzen und Lichter angezündet und überall standen große, aufblasbare Pilze und Blumen. Eine Gruppe von Turnmädchen führte spektakuläre Kunststücke mit wechselnd bunten Bällen vor. Die Türme leuchteten in rot und blau. Man konnte sich in die mit Kerzen geschmückte Kirche setzen und bei leiser Orgelmusik entspannen oder einem Duo mit Alphorn und Dudelsack zuhören. Die Luft war selbst zu später Stunde noch so warm, dass man ohne Pullover durch die alten Gassen schlendern konnte. Leider war die Schlange an der einzigen Eisdiele im Ort so lang, dass wir weiterliefen.

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In der Woche vor unseren Wandertagen war es sehr kalt und in Heidelberg hatte es sogar Schnee gegeben. In dieser Zeit muss sich meine Freundin den Schnupfen eingefangen haben, der jetzt richtig aufblühte. Obwohl es ihr nicht gut ging, machten wir uns auf zu unserer nächsten Wanderetappe. Die Waldabschnitte waren besonders schön. Der Duft, das Licht, die Geräusche und der weiche Waldboden ließen mich richtig aufatmen. Wenn kein Baum am Wegesrand stand und die Felder in der prallen Sonne lagen, war die Hitze schon jetzt im Mai fast unerträglich.

 

Wir erreichten unseren Zielort mit dem großen Wunsch, einen dicken Eisbecher zu vernaschen. Die Eisdiele befand sich direkt am Dorfplatz und die Tische standen im Schatten. Unser Schwarzwaldbecher und der Schokobecher waren genau das, was wir uns gewünscht hatten. Wir fuhren mit dem Auto zurück, das wir, zusammen mit meiner Freundin Bruder, morgens extra hier abgestellt hatten.

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Obwohl jegliche Energie aus meiner Gastgeberin verschwunden war, bereitete sie ein leckeres Abendessen mit Nudeln, Sauce und Salat vor. Der Balkon wurde noch von der untergehenden Sonne gestreift und wir lehnten uns geschafft aber entspannt zurück. Später bekamen wir noch eine spektakuläre Flugshow von drei kleinen wendigen Fledermäusen zu sehen, die sich ihr Abendmahl aus der Luft erjagten.

 

Mittlerweile bin ich schon wieder auf der Rückreise. Es tut mir aufrichtig leid, dass meine Wanderfreundin so schlecht zurecht war und habe großen Respekt vor ihr, weil sie trotz Schnupfennase unser Freizeitprogramm nicht gekürzt hat. Sie ist eine tolle Gastgeberin, bei der man sich einfach wohlfühlen muss. Jeden Moment merkt man, dass sie sich freut, dass man den weiten Weg auf sich nimmt, um eine schöne Zeit mit ihr zu verbringen.

 

Mein Zug verspätet sich in Köln und ich werde auf keinen Fall den Anschlusszug nach Hagen bekommen. Die Zugbegleiterin hat nun auf meinem Ticket vermerkt, dass ich bis nach Dortmund in diesem ICE bleiben darf. Jetzt habe ich eine komfortablere Reise für den gleichen (Spar-)Preis, da ich einen Umstieg einspare. Da ich bereits auf der Hinreise über 60 min. Verspätung hinnehmen musste, bekomme ich auch noch fast 10 Euro im Nachhinein erstattet. Ich freue mich nun auf 2 weitere Wochen Urlaub, die ich unter anderem für das Weiterkommen auf meinem Jakobsweg nutzen werde.

 
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Salzkotten - Bad Westernkotten

Obwohl wir zu Beginn unserer Wanderung ausgemacht hatten, dass wir keinen Schritt zurück machen werden, haben Christiane und ich uns entschlossen, ungefähr an der Stelle wieder in den Jakobsweg einzusteigen, an dem wir ihn verlassen hatten, um zur Wewelsburg zu gelangen. Auf der Landkarte war es doch ein ganz schönes Stück, das wir verpasst hatten.

Im voraus hatte ich mich schon über unser Tagesziel, die schöne Stadt Bad Westernkotten, informiert. Die Verantwortlichen des zweitgrößten Ortsteils von Erwitte haben ihre Internetseite www.badwesternkotten.de sehr informativ und anschaulich eingerichtet. Ich freute mich auf den Kurpark mit seinen zwei großen Gradierwerken, den Muckenbruch, die vielen lebensgroßen Figuren aus Pappmaché und natürlich auf das Thermal- und Solebad.

Über die Seite www.lwl.org "Wege der Jakobspilger in Westfalen" fand ich die Familie Klückers-Filz, bei denen PilgerInnen eine Unterkunft inkl. Frühstück für kleines Geld buchen können. Per e-Mail war die Anfrage schnell verschickt und wir erhielten sofort die Zusage für die angefragte Nacht. Verpflichtungen innerhalb der Familie verhindere unser Zusammentreffen, aber die lieben Nachbarn würden sich gerne um uns kümmern. Per Telefon war das Verwöhnpaket mit einer Heusackbehandlung im Thermal- und Solebad auch schnell organisiert. Für uns Jakobspilgerinnen würde extra eine Mitarbeiterin den Feierabend nach hinten verschieben!

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Endlich sollte es losgehen, doch einen Tag zuvor informierten die Medien über einen Streik der Bahn. Also entschieden wir uns, mit dem Auto nach Salzkotten zu reisen. Vor lauter Quatschen hätten wir beinahe die Ausfahrt nach Salzkotten verpasst! Wir parkten unser Auto direkt am Bahnhof, zu dem wir am nächsten Tag wieder mit dem Zug zurückfahren würden und verschafften uns gleich einen Überblick über Frühstücksmöglichkeiten. Der Hunger war noch mäßig, deshalb nahmen wir nicht gleich die Bäckerei im Rewe am Bahnhof.

Als wir jedoch den Bahnhof hinter uns gelassen hatten, wurde uns schnell klar, dass wir kein Café oder keine Bäckerei finden würden. Ab sofort hatten wir sehr großen Hunger! Vor dem Bürgerhaus in Upsprunge wurde gerade der Rasen gemäht. Ich fragte den fleißigen Herrn, wo man denn in der Nähe frühstücken könne. Er stelle den Rasenmäher ab und sagte kurz, seinen Daumen über die Schulter werfend: "Hier! Rammlerschau!" Ich sah ihn mit großen Augen an...

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Der Mann begleitete uns zu einer großen Kaninchenausstellung (http://www.nw.de/lokal/kreis_paderborn/salzkotten/salzkotten/20293676_Prachtexemplare-begutachtet.html), zu der auch ein großzügiges Angebot an Brötchen und Kaffee nicht fehlen durfte. Wir kauften uns für kleines Geld ein großes, leckeres Frühstück und setzten uns zu den anderen Gästen.

Anschließend machten wir einen Rundgang durch den Schauraum. Überall standen Schaukäfige mit riesigen Kaninchen. Zum Vergleich: So groß ist meine Katze nicht! Es dauerte nicht lange, da wurde die Rede des Bürgermeisters angekündigt. Wir hatten schon etwas Sorge, wieder mal durch das Mikro begrüßt zu werden... Wir machten uns also lieber wieder auf den Weg, nachdem wir es uns gut gehen lassen hatten.

 
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Störmede - Ehringhausen

In der Nacht wurde ich gegen 2 Uhr wach, weil ich Stimmen hörte. Einige junge Leute machten sich wohl auf den Heimweg und überquerten den Klosterplatz. Die Lautstärke Ihrer Stimmen verstärkte sich durch die Mauern und Hauswände, sodass ich erst dachte, sie gingen direkt am Schäferkarren vorbei. Friedlich zogen sie weiter. Ich lauschte nach Christiane. Sie hatte den Krach nicht mitbekommen und schlief selig weiter und ich machte es ihr nach.


Erst, als der Hahn, der im Garten neben dem Schäferkarren lebt, uns mit seiner kräftigen Stimme weckte, war für uns die Nacht rum. Wir nutzten den Waschraum im Gemeindehaus, packten unsere Rucksäcke und machten uns auf zur Stempelstelle. Eine Bäckerei im Dorf bietet den Stempelservice während der Öffnungszeiten an. Leider hatte der Laden heute geschlossen. Am Tag zuvor waren wir schon zu spät dran.

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Störmede hat etwa 2.350 Einwohner. Die meisten der ca. 2.350 Personen schlafen sonntags etwas länger und so waren die Straßen wie leergefegt. Wir entdeckten eine weitere Bäckerei, in der das Licht brannte. Was für eine Wiedersehensfreude wir hatten, als wir die nette Verkäuferin von Gestern erblickten. So sieht man sich wieder! Sie konnte uns auch nicht mit einem Stempel weiterhelfen, dafür verkaufte sie uns ein gutes Frühstück.

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Die Verpflichtungen zu Hause riefen und so machten wir uns auf den Weg zum Bahnhof. Unsere nächste Etappe wird uns wohl wieder nach Störmede bringen. Wir werden nicht aufgeben und hoffen, beim nächsten Mal den heißbegehrten Pilgerstempel zu ergattern. Wären wir "richtige" Pilger, müssten wir wahrscheinlich so lange hier bleiben, bis wir endlich den Eintrag in unserem Pass hätten.


Meine Wanderfüße freuten sich sehr über die winzigen 4 km Wanderstrecke zum Bahnhof. Vermutlich hatte ich meine Schuhe gestern zu stramm geschnürt. So hatte ich mir eine dicke Blase am großen Zeh eingehandelt, die über Nacht natürlich nicht verschwunden war. Vor uns wurde ein Pferd durch die Ortschaft geführt - ich hätte so gerne gefragt, ob es mich zum Bahnhof tragen könnte.

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Das Wetter war wie gemacht für einen Tag an der frischen Luft. Durch Verschiebungen im Fahrplan konnten wir uns Zeit lassen und ließen die vielen Eindrücke, die wir auf dieser Etappe gesammelt hatten, noch einmal wirken. Es war immer noch sehr ruhig an diesem Sonntag.

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Bis ein älteres Pärchen in einem vornehmen Wagen angerauscht kam, am Bahnsteig eilig hin und herlief, mit einer vollgepackten Tasche in der Hand, um dann wieder ins Auto zu springen. Sie wollten zum Schwimmen nach Bad Sassendorf und waren nun ganz empört, dass der Plan nicht aufging...


Kurze Zeit später kam der Zug und wir stiegen ein.


Der Zug hielt im nächsten Bahnhof, und die Herrschaften, die wir bereits in Ehringhausen kennengelernt hatten, sprangen auf! Warum lässt man sich von solchen Kleinigkeiten dermaßen aus der Fassung bringen? Es ist erstaunlich, dass dieser Sonntagmorgen uns so friedlich erschien, während andere auf dem Weg zur Erholung fast die Nerven verlieren.

 
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Wewelsburg - Störmede (Geseke)

Sehr gerne wären wir noch länger als Burgfräulein in der Wewelsburg geblieben, aber uns lockte auch die recht kurze Strecke zur nächsten geplanten Unterkunft in Störmede bei Geseke. Dieses würde unsere kleinste Unterkunftsmöglichkeit, seit wir auf Wanderschaft sind. Im Internet hatte ich die Kontaktdaten zur Buchung schnell gefunden: Bei dem Gasthof Pohle reichte ein kurzer Anruf und schon war der Schäferkarren, der extra für PilgerInnen gebaut wurde, für 10 Euro pro Person gebucht.
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Auf diesem Foto kann man wohl erkennen, dass dieser Schäferkarren was ganz Besonderes ist. Einer der Dorfältesten, der zu der Zeit 82-jährige Josef Schulte, hatte ihn extra für PilgerInnen auf dem Jakobsweg gebaut. Seinen Ansporn, eine günstige Unterkunft für Wanderer zur Verfügung zu stellen, kann man auf www.derpatriot.de in einem sehr interessanten bebilderten Beitrag ausführlich nachlesen.
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Als ich mit Herrn Pohle telefoniert hatte, wunderte ich mich schon etwas über die amüsierte Stimmlage. Er fragte extra noch einmal nach, ob ich mir auch sicher sei, den Schäferkarren zu buchen. Ich war überzeugt, das Richtige zu tun! Auf unserem Weg nach Störmede lachten wir uns schon sehr kaputt über unseren "Abstieg" von Bewohnerinnen einer Burg zur Schäferunterkunft. Trotzdem freuten wir uns sehr auf den Einzug in den Karren und das anschließende Abendessen im Gasthof.

Wir kamen an einem Supermarkt vorbei und entschlossen uns, die Getränkevorräte aufzufrischen. Gegenüber der Kasse war eine Bäckerei, die in der Auslage leckeren Pflaumenkuchen anbot. Wir kamen mit der Verkäuferin ins Gespräch und, wie es der Teufel wollte: Sie war eine Verwandte der Familie Pohle. Zufälle gibt's! In der Hoffnung, sich noch einmal wiederzusehen, verabschiedeten wir uns und zogen weiter.

Sowohl die Thekenmannschaft als auch die Gäste am Tresen konnten sich das Lachen kaum verkneifen, als wir mit dem Rucksack auf dem Rücken die Gaststätte betraten. Uns wurde der Karren aufgeschlossen und erklärt, dass sich die Waschmöglichkeiten direkt nebenan im Gemeindehaus befinden. Die Damen, die gerade anwesend waren, um einen Malkurs zu besuchen, empfingen uns sehr freundlich und interessiert.
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Schnell sprach sich im Dorf herum, dass der Schäferkarren von 2 Pilgerinnen gebucht worden war und der Ein oder Andere kam zu Besuch. Eine Dame hatte sogar ihren Fotoapparat dabei, um uns zu knipsen. Es stellte sich heraus, dass wir beiden die ersten Pilgerinnen waren, die in dem Karren übernachten würden. Wir fühlten uns sehr geehrt und freuten uns schon auf den Zeitungsbericht, in dem wir lobend erwähnt werden sollten.
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Extra für uns wurden die Kochtöpfe angeheizt und wir wurden mit einem toll angerichteten Schnitzel verwöhnt. Nach dem leckeren Essen setzten wir uns noch eine ganze Zeit vor unser Nachtlager. Es schien, als würde die untergehende Sonne extra für uns den historischen Klosterhof, auf dem wir uns befanden, beleuchten. Gerade, als wir fast eingeschlafen waren, klopfte es noch einmal an der Türe, aber wir waren zu erschöpft, um die Besucherin zu empfangen.

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Ich wünsche Euch allen frohe Weihnachten und wunderschöne Feiertage!

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Paderborn - Salzkotten - Wewelsburg

Endlich ging es wieder auf die Jakobsstrecke. Mit dem Zug fuhren wir nach Paderborn. Wir waren recht früh unterwegs. Dementsprechend hatten wir vor Antritt der Reise nur eine Kleinigkeit gefrühstückt. Wir suchten uns ein Café direkt gegenüber dem Bahnhof. Die nette Dame des Café Maritz war noch in den Vorbereitungen, nahm unsere Sonderwünsche dennoch sehr ernst und servierte uns: Frische Waffeln mit heißen Kirschen, einer Kugel Vanilleeis und richtig viel Sahne! Dazu gab es einen Cappuccino mit Milchhaube für einen perfekten Start in unsere heutige Etappe.

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Dieses Mal hatte ich die Unterkünfte vorgebucht. Wir wollten nicht wieder so eine Überraschung wie in Bad Driburg erleben, wo sonntags die Jugendherberge geschlossen hat und auch die "Notfallnummer" nicht erreichbar ist. Im Internet fand ich eine tolle Jugendherberge, die angeblich direkt auf der Pilgerstrecke liegt: Die geschichtsträchtige Wewelsburg! Die Fotos im Internet waren hübsch anzusehen und das Buchen des Zimmers verlief sehr problemlos.

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Mit großer Vorfreude auf das tolle Nachtlager reisten wir nach Paderborn und latschten gleich Richtung Salzkotten los. Wir machten Witze darüber, dass wir die Burgfräulein sein würden. Die Wewelsburg ist Deutschlands einzige Dreiecksburg. Christiane aktivierte ihren Schrittzähler am Dom von Paderborn. Nach etwa 4 Stunden und 15 km erreichten wir bereits unser Ziel: Die Stadt Salzkotten. Erst jetzt interessierten wir uns für den Standort der Wewelsburg.

Ich traute meinen Augen kaum, denn meine Navigations-APP zeigte einen 10 km langen Fußweg entlang einer Landstraße an. Christiane sagte ermutigend, dass sie sowieso noch nicht genug gewandert sei und schon folgten wir wie zwei Perlen am Band der Landstraße, die stetig bergauf ging, am Flughafen Paderborn vorbei zu dem schönen Örtchen namens Büren-Wewelsburg. 10 km stetig bergauf bedeutete für uns weitere 2,5 Stunden wandern.

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An einem hübschen Bauernhof, an dem wir kurz rasteten, hielt ein schicker silberfarbener Wagen in sportlicher Ausführung mit einem jungen Mann am Steuer, der eine schwarze Sonnenbrille trug. Der junge Mann fragte freundlich, ob er uns ein Stück mitnehmen könnte. Ich guckte Christiane an, die gerade ihre Lippen zu einem ebenso freundlichen "Joah!" spitzte, und hörte mich sagen: "Wir sind Wanderinnen, wir gehen zu Fuß!" Die Räder des Sportmodells drehten im trockenen Splitt durch, sodass sich der junge Fahrer regelrecht aus dem Staub machte. Chance verpasst!!!

Der Anstieg zu dem Ort war so anstrengend, dass wir froh waren, als wir einen kleinen Supermarkt fanden, in dem wir uns mit frischem Wasser eindecken konnten. Christiane suchte sich noch einen leckeren Joghurt aus, den eine nette Verkäuferin dann aus dem vorletzten Gang wischen konnte. Er war Christiane aus der Hand gerutscht und lag nun wie ein rosa Farbfleck auf den Shopfliesen. Wir waren wirklich sehr erschöpft.

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Erst, als wir fast angekommen waren, konnten wir die Burg sehen. Plötzlich stand sie vor uns! Der Blick durch die Häuserreihe war sehr beeindruckend. So groß hatte ich mir die Burg und das Drumherum nicht vorgestellt. Als wir uns angemeldet hatten, wurden wir darüber informiert, dass wir das Historische Museum, das ebenfalls in dem Burgschloss untergebracht ist, kostenlos besuchen könnten. Leider war die Zeit recht knapp und wir mussten uns beeilen, denn sonst wären wir im Museum eingeschlossen worden.

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Bevor wir uns zum Abendessen aufmachten, genossen wir noch Zeit auf unserem frisch renovierten Zimmer mit einem herrlichen Ausblick aus dem Schlossfenster. Plötzlich klopfte es und ein Schlüssel wurde in das Türschloss gesteckt. Christiane ging aufgeregt zur Tür und öffnete einem jungen Mann. Ich dachte schon, es wäre unser herbeigewünschter Prinz, aber Christiane wimmelte ihn ab. Sie sagte ihm sehr direkt, dass dieses unser Zimmer wäre und er sich einen anderen Schlüssel geben lassen sollte.

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Auf sämtlichen Tischen im Speisesaal standen Namensschilder, so auch auf unserem. Die große Auswahl und die Frische der Lebensmittel ließ uns so richtig zuschlagen. Anschließend haben wir großen Spaß daran gefunden, zu beobachten, wie manch andere Gäste Schwierigkeiten mit der vorgegebenen Ordnung beim Abräumen des Geschirrs hatten. Christiane half gerne den dankbaren jüngeren Besucherinnen und Besuchern beim Einsortieren der benutzten Gegenstände.

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In dem komfortablen Zimmer mit großem Bad konnte man den restlichen Abend und die Nacht genießen. Wir waren wirklich zwei Burgfräulein in einem tollen Burgschloss. Obwohl wir an diesem Tag 10 km mehr gemacht hatten, als erwartet, hatten wir keinerlei körperliche Beschwerden und konnten am nächsten Morgen einfach unsere Wanderschuhe schnüren und nach einem reichhaltigen Frühstück weiterziehen.

 
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Paderborn

Ich habe fast die ganze Nacht feste geschlafen. Bevor mir die Augen zufielen, bemerkte ich noch anhand des Blinkens der kleinen LED-Leuchte, dass auf meinem Handy eine Nachricht eingegangen war. Während ich überlegte, ob ich mich jetzt nochmal aus der Bettdecke pellen sollte, schlief ich ein.

Mein Traum drehte sich um die eingegangene sms. Sie hatte einen kuriosen Inhalt und der Absender war anonym. Ich wurde zur erfolgreichen Detektivin und meine Phantasie strickte einen richtigen Krimi um die mysteriöse Nachricht. So aufregend der Traum war, so zerknittert war auch mein Betttuch. Ich war eingepackt wie eine Mumie, als ich morgens aufwachte.

Zum Glück hatte das Heilöl Wirkung gezeigt und mein Körper hatte sich über Nacht fast völlig regeneriert. Auch Christiane war überrascht, dass ihre Wehwehchen fast verschwunden waren. Nach dem Duschen ging es zum Frühstück in das beeindruckende Kellergewölbe. Zusammen mit Schulklassen ließen wir uns die Brötchen mit Kaffee und das Müsli mit Obst schmecken.

Wir hatten keine Eile mit dem Auszug, denn unser Plan war, dass wir uns gemütlich die Stadt Paderborn ansehen und anschließend die Heimreise antreten würden. Nach einer weiteren Tasse Kaffee zogen wir los zum Paderborner Dom. Von dort aus führen zahlreiche Infotafeln und Wegweiser durch die Stadt. Man kann sich an einem Vormittag gar nicht alles intensiv ansehen. Hier und da habe ich schöne Erinnerungsfotos geschossen und interessante Fakten zum Beispiel über das Rathaus gelesen.


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Da der Paderborner SC in diesem Jahr in die  1.Bundesliga aufgestiegen war, hatte mein Papa mich beauftragt, eine Jahreskarte zu organisieren. Doch leider konnte ich im Dom "nur" einen hübschen Pilgerstempel ergattern. Schade, dass der SC Paderborn sich nur für eine Saison in der Liga halten konnte, denn jetzt, wo ich mich in der Innenstadt auskannte, schlug auch mein Herz für den SC <3

Vor der Zugfahrt kehrten wir noch in eine Bäckerei ein. Dort wurde uns ein leckerer Pflaumenkuchen mit viel Sahne angeboten. Das Stück war so riesig, dass ich nur die Hälfte schaffte. Die andere Hälfte aß ich später im Zug. Ich hatte ja auch beim Frühstück schon übertrieben. Wir ließen uns von einer netten Passantin den Weg zum Bahnhof erklären und zogen los.

Das war also unsere erste Etappe auf unserem Jakobsweg Richtung Santiago de Compostela. Auf der Rückfahrt ließen wir unsere Eindrücke noch einmal Revue passieren. Im Großen und Ganzen hat es sehr viel Spaß gemacht, der gelben Muschel auf blauem Hintergrund zu folgen. Es macht sogar etwas süchtig, täglich das Maximum zu geben, um voran zu kommen. Doch auch Pausen müssen sein und so verabredeten wir uns für das kommende Frühjahr, um weiter zu pilgern.

 
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Bad Driburg - Paderborn

Das Frühstück im Braunen Hirsch war wunderbar und reichhaltig. Tatsächlich forderte uns die Wirtin auf, Proviant für den Weg einzustecken. In der Stadt deckten wir uns zusätzlich mit Getränken ein und machten uns schon früh auf den Weg.

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Unsere Strecke führte uns Richtung Iburg. Es ist ja selbstverständlich, dass Burgen auf Bergen stehen, aber der Anstieg schaffte mich doch ganz schön. Oben angekommen, wurden wir mit einer wunderschönen Aussicht belohnt. Das Wetter war feuchtkalt und so rasteten wir nicht lange, denn wir hatten Bedenken, uns zu verkühlen. Während wir die Informationsschilder über die Burg studierten, kamen wir wieder zu Kräften und zogen kurze Zeit später weiter.

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Nachdem wir den Abstieg hinter uns hatten, ging es recht lange geradeaus. Kaum ein Baum oder ein Strauch war zu finden, den man zum Erleichtern nutzen konnte. So hielten wir bis Schwaney aus und fragten in einer Tankstelle nach einem WC. Wir kamen mit dem Mitarbeiter ins Gespräch, der uns gleich zu einem Cappuccino einlud. Das Getränk wärmte uns etwas auf. Im Nachhinein hätte dieser freundliche Mensch den Senf des Tages verdient, aber das stellte sich erst später heraus. 

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In der Ortschaft Dahl geht man bei ungemütlichem Wetter wohl weniger vor die Türe. Christiane und ich hatten uns vorgenommen, den nächsten Passanten nach einer Übernachtungsmöglichkeit in Dahl zu fragen. Fast am Ende des Ortes trafen wir auf eine junge Mutter, die gerade fort fahren wollte. Man merkte sofort, dass sie sich von unserer Frage belästigt fühlte und so kam diese Antwort nicht überraschend: "Gehen Sie in diese Richtung, dann erreichen Sie in ca. 6 km Paderborn. In Paderborn finden Sie mehrere Hotels!" 

Christiane holte kurz Luft und schnaufte los: "Wenn Sie wüssten, was wir schon hinter uns haben, würden Sie uns nicht bis nach Paderborn schicken!" Sie hatte Recht, die Frau hatte keine Worte mehr und wir hatten genug Zorn in den Knochen, um weiter zu wandern. "Ne! Dahl ist schön!" sagte Christiane und schon konnten wir wieder lachen. 

Fast wortlos bestritten wir den Weg bis Paderborn. Irgendwie hatte ich von Anfang an den Gedanken, dass man sich spätestens am dritten Tag fragt, ob die Anstrengungen es wert sind, die man für das Pilgern auf sich nimmt. Ist man als bequemer Autofahrer überhaupt noch in der Lage, tagelang etwa 20 km zu Fuß zurückzulegen, ohne sich zu fragen, ob man mit dem Auto nicht viel schneller und bequemer reisen könnte?! 

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Ich versuchte, über das Wandern wieder positiver zu denken, während wir den Rand von Paderborn ankratzten. Als wir endlich die Jugendherberge erreichten, war eine weitere Stunde vergangen. Die Stufen, die wir bis zum Anmeldebüro nehmen mussten, konnten wir nur überwinden, weil wir nicht auf der Straße schlafen wollten. Da die Dame an der Anmeldung uns emotionslos ein 6-Personen-Zimmer im Dachgeschoss zuwies, behielt ich das Gläschen Senf in meinem Rucksack und ärgerte mich jetzt erst recht, dass ich es nicht in Schwaney an den netten Tankstellenmann verschenkt hatte. 

Ein Mädchen auf dem Flur schlug die 5 Euro aus, mit denen ich sie versucht hatte, zu bestechen, um uns Bettwäsche aus dem Kellergeschoss zu holen. Also blieb mir nichts anderes übrig und meine gequälten Füße trugen mich zum Wäscheregal in den Keller. Christiane und ich bezogen unsere Betten, massierten unsere schmerzenden Muskeln mit Öl und überlegten beim Probeliegen, ob wir noch zum Essen gehen. So hungrig kann man gar nicht sein, wenn sich der Speisesaal ebenfalls... im Keller befindet!

 
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Bad Driburg

Christiane schlug dankend die Tüte Kekse aus und nahm selbstverständlich meine Entschuldigung an. Um zu überlegen, wie es nun weitergehen sollte, setzten wir uns auf eine der Bänke vor der verschlossenen Jugendherberge. Auf dem Weg durch die Innenstadt hatten wir viele Unterkünfte gesehen, die wir nun abklappern müssten, um ein Nachtquartier zu finden. Also rückten wir unser Gepäck zurecht und stapften gemeinsam los.

Gleich im ersten Hotel hatten wir Glück. Wir erzählten der freundlichen Chefin des "Braunen Hirsch" von unserer Misere und bekamen direkt das gemütliche Zimmer im Dachgeschoss. Der Preis für ein Doppelzimmer war akzeptabel und die Aussicht auf ein reichhaltiges Frühstück nahm uns die letzten Zweifel. Im Zimmer angekommen, schwärmten wir gemeinsam von dem Gräflichen Park Bad Driburg, den wir durchquert hatten, bevor wir die Fußgängerzone erreichten. Normalerweise zahlt man für den Besuch im Park Eintritt, doch wenn man sich als PilgerIn zu erkennen gibt, darf man den Park kostenlos besuchen.

 
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Obwohl die vielen Treppenstufen zum Zimmer sehr mühselig waren, entschloss ich mich, den lange geplanten Besuch in der Driburg-Therme noch an diesem Abend wahr werden zu lassen. Christiane entschied sich für die waagerechte Position, also zog ich alleine los. Im Restaurant im Erdgeschoss des Hotels war der Teufel los. Es gab kaum einen freien Tisch. Ich suchte nach der Chefin, um mir den Weg zur Therme erklären zu lassen. Kurzerhand griff sie, mit der Begründung, dass bald Kassenschluss sei, zu den Autoschlüsseln und fuhr mich zum Schwimmbad! Mit dieser tollen Aktion hatte sie sich das Gläschen Schwerter Senf, welches sehr freundliche Menschen auf unserem Pilgerweg bekommen, auf jeden Fall verdient.

Meine müden Knochen und Muskeln waren dem entspannenden Salzwasser sehr dankbar. Ich suchte mir einen Sitzplatz an einer Düse aus, um mir die schmerzenden Schultermuskeln massieren zu lassen. Zu dieser Uhrzeit waren nicht mehr viele Badegäste anwesend. Ich hatte das Gefühl, dass das Bad nur auf mich gewartet hatte ;) Diese Art von Umkleidekabinen kannte ich nicht: Jede Kabine war mit einer Dusche ausgestattet. So konnte man ausgiebig duschen, sich abtrocknen und anschließend ankleiden, ohne über nasse Flure laufen zu müssen. Ich fand diesen Luxus sehr hygienisch und angenehm.

Den Rückweg zum Hotel, den ich zu Fuß nahm, nutzte ich, um mit zu Hause zu telefonieren. Während der Wanderungen versuche ich, ohne Handy als Telefon auszukommen. So ist es Abends etwas besonderes, wenn ich mit der Familie Kontakt aufnehmen kann. Trotzdem habe ich den Knochen oft in der Hand, denn hier und da schieße ich ein Foto, welches ich dann gleich per sms an die Lieben schicke. Irgendwie sind sie immer in meinen Gedanken.

Wir sind immer wieder erstaunt, dass Wandern nicht hungrig macht. So gingen wir ohne Abendessen ins Bett, obwohl der Duft aus der Restaurantküche bis in den Flur reichte. Es dauerte nicht lange und mir fielen die Augen zu, ohne Gedanken im Kopf - weder gute noch graue. Mein letzter Denkblitz drehte sich lediglich um die Frage, ob wir uns wohl am Frühstücksbuffet ein Brötchen zum Mitnehmen belegen dürften. Von Bad Driburg bis nach Paderborn sollten es 22 km Fußweg sein.



 
 

 

 
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Brakel - Bad Driburg

Nachdem die Klosterschwester uns so herzlich an der Tür empfangen hatte, überlegte ich schnell, wie wohl mein "Plan B" aussehen würde. Ich hatte damit nicht gerechnet, abgewiesen zu werden. Christianes Blick drückte die pure Enttäuschung aus. Wir hatten nach ca. 30 km keine Kraft mehr, um nach einer anderen Übernachtungsmöglichkeit zu suchen. Schnell meldete sich die Nonne wieder zu Wort und machte uns ein Mehrbettzimmer ohne weitere Gäste inklusive Vollbad schmackhaft. In meinen Vorstellungen von einer Nacht im Kloster schwebte mir ein unbequemes Feldbett in einem feuchtkalten Raum mit kleinem Fenster vor. Wir bezogen umgehend die Räumlichkeiten, um anschließend die freundliche Einladung zum Abendbrot anzunehmen.

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Der Tisch war reich gedeckt: Es standen mehrere Brotsorten zur Verfügung, welche wir mit guter Butter, Wurst und Käse belegen konnten. An jedem Gedeck stand ein kleiner Joghurt und die bauchige Teekanne war tatsächlich mit dem von mir gewünschten Früchtetee gefüllt. Sobald die nette Dame das kleine Speisezimmer verlassen hatte, stürzten wir uns wie fast verhungerte Tiere auf unser Abendessen. Ich hätte nicht gedacht, dass das Brot für uns beide reicht, aber am Ende lag doch noch eine verwaiste Scheibe auf dem Teller.

Wir verabschiedeten uns für den Tag, überreichten Schwester Ignatia als Dank für die Gastfreundlichkeit ein Glas "Schwerter Senf" und sehnten uns nach einer heißen Badewanne. Ich war die Erste und genoss den prickelnden Badeschaum für einige Zeit. Als ich ins Bettenzimmer kam, fand ich Christiane unter dem dicken Federbett. Sie grummelte etwas von "Lass mich in Ruhe" und schlief weiter. Als ich mir den Deckenzipfel über das Ohr zog, war es viertel vor acht!!!

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Vor dem Frühstück waren wir zur Messe verabredet. Der Wecker holte mich aus dem tiefsten Schlaf und es fiel mir schwer, meine müden Knochen zu sortieren. Durch den Pfarrer wurden wir der Gemeinde als 2 fleißige Pilgerinnen vorgestellt, die großes Glück hatten, auf Anhieb eine freie Unterkunft gefunden zu haben. Nach der Messe, die nur so mit Liedern gespickt war, packten wir unseren Rucksack und gingen zum Frühstück. Der Pfarrer begrüßte uns noch einmal persönlich und interessierte sich sehr für unseren Antrieb zum Pilgern. Schwester Ignatia übergab uns ein reichhaltiges Vesperpaket inklusive selbstgemachter Klosterkekse, einen wunderschönen Talisman in Form eines Heiligen Jakobus und entließ uns mit lieben Worten zur nächsten Etappe.

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Von Brakel bis nach Bad Driburg erwarteten uns schlappe 16 km. Also schlenderten wir los. Der Weg war gut ausgeschildert und das Wetter war sehr angenehm. Wir kamen zügig voran. Der Rucksack schmerzte anfänglich auf den Schultern, doch mit der richtigen Gurteinstellung konnte man dem Ziehen der Muskeln entgegenwirken. Um das Lunchpaket zu vernichten, suchten wir uns ein schattiges Plätzchen und fanden einen dicken Baumstamm, der am Waldrand lag. Die Nonne hatte uns viel zu viel eingepackt, so probierte ich nach zwei Broten und einem Apfel nur einen Keks, während Christiane die komplette Ration an Keksen vernaschte.

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Die Kekse waren echte Energiewunder! Gerade noch steckte uns die Anstrengung des Vortages in den Knochen, so verspürten wir nach unserem zweiten Frühstück grenzenlose Energie. Also wanderten wir weiter. Leider verfranzten wir uns an einer Pferdekoppel dermaßen, dass wir etwa eine Stunde lang nicht vom Fleck kamen. Wir hatten das Gefühl, dass die drei Pferde sich von den beiden Damen mit Rucksack schon sehr belästigt fühlten. Während sie zu Beginn noch den Kopf hoben, sobald wir wieder vorbei kamen, grasten sie nun einfach weiter. Ich kam mir vor, wie die Kraniche am Himmel auf der Suche nach der richtigen Luftströmung.

Plötzlich tat sich der Wald auf und wir entdeckten fast gleichzeitig die nächste Muschel an einem Baum, der etwas weiter hinten stand und wir rasten drauf los. Schließlich hatten wir schon wieder etwa vier Kilometer unfreiwillig draufgelegt. Gerade als wir in Fahrt kamen, löste sich der Schnürsenkel an Christianes Schuh, den sie sich gleich vornahm. Ich erschrak, als ich die nächste versteckte Muschel entdeckte, denn ohne diesen Zufall wäre auch sie uns verborgen geblieben. Wir verließen den Zauberwald und erreichten ohne weitere größere Schwierigkeiten Bad Driburg.

Um nicht schon wieder an der Herbergstür überrascht zu werden, wollte Christiane dieses Mal unsere Ankunft anmelden. Schließlich liegen Jugendherbergen oft oberhalb der Stadt und wir hatten an diesem Tag bereits mehr Kilometer gemacht, als geplant. Weil niemand ans Telefon ging, bestand Christiane darauf, ein Hotelzimmer zu suchen und nicht erst noch zur Jugendherberge zu wandern. Sie hatte so richtig keinen Bock mehr und fand es auch ziemlich blöd, nicht im Voraus die Unterkünfte zu buchen. Ich schlug ihr vor, die Verantwortliche für die nächste Etappe zu sein, dann würde ich mit ihr gehen.

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Wir zankten uns und waren schon im Begriff, uns für heute zu trennen und uns am folgenden Tag nach dem Frühstück wieder zu treffen, als sie dann doch einwilligte, den steilen Weg zur Jugendherberge zu nehmen. Jetzt hatte ich kein gutes Bauchgefühl mehr und bot Christiane meine Tüte Klosterkekse an, sollte die Jugendherberge geschlossen haben. Im Leben hätte ich nicht geglaubt, dass wir vor verschlossenen Türen stehen würden. Ich rief die Notnummer an, die ich am Eingang fand und sprach auf das Band. Bis heute hat mich keiner zurück gerufen!

 
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